02.04.2026

Neuerscheinungen

Publikationsbeiträge vom Team des Zentrums Erinnerungskultur

In ihrem Beitrag „Landscapes as Sites of Memory: Battlefields, Green Borders, Concentration Camp Quarries” zeigt Dr. Bianca Hoenig auf, wie die Interaktion mit Natur, Umwelt und Landschaft fruchtbar für die Erinnerungsarbeit genutzt werden kann.

Im Fokus stehen konkrete Beispiele – Schlachtfelder, grüne Grenzen und Steinbrüche von Konzentrationslagern – anhand derer deutlich wird, wie divergente Konzepte von Landschaften sowie Dynamiken der Natur selbst die Vielfalt der Stimmen des Erinnerungsdiskurses widerspiegeln und eine zusätzliche Bedeutungsdimension eröffnen.

Dr. Michael Rösser untersucht in seinem Artikel „The Monitoring Physician – Railway Labour, the Colonial Gaze, and Snapshots of African Agency in German Kamerun“ zwei kommentierte Fotoalben des Kolonialarztes Hans Schäfer, die den Eisenbahnbau in der deutschen Kolonie Kamerun dokumentieren.

Der Beitrag analysiert die visuelle und schriftliche Dokumentation von Schäfer, der einen geschlechtsspezifischen und rassistisch geprägten kolonialen Blick auf die Arbeit auf den Baustellen der Kolonialbahn (re)produziert. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Rolle der afrikanischen Frauen beim Bahnbau, bei der reproduktiven Arbeit und bei der Sexwirtschaft gelegt.

Auch der zweite kürzlich erschienene Artikel „Of Mule and Men: An Engineer, Beasts of Burden and Personal Servants at the Construction Sites of the Central Railway in German East Africa“ von Michael Rösser widmet sich den Baustellen der Zentralbahn in Deutsch-Ostafrika, der Lasttiere und persönliche Bedienstete als wichtige Akteure des kolonialen Alltags in den Blick nimmt. Die Tagebücher des anglo-deutschen Ingenieurs Clement Gillman verdeutlichen, dass der Kolonisator in seiner Handlungsfähigkeit auf Maultiere und qualifizierte und erfahrene persönliche Bedienstete angewiesen war.

Für einen Perspektivwechsel bei der literarischen Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs in Algerien, Tunesien und Marokko plädiert Dr. Regina Schuhbauer. Anhand von Auszügen aus vier literarischen Werken, in denen sich die Geschichte des Zweiten Weltkriegs mit der Kolonialgeschichte verflicht, zeigt der Beitrag transnationale Perspektiven für ein postmigrantisches Klassenzimmer auf: der 8. Mai 1945 in Algerien, die deutschen Zwangsarbeitslager auf tunesischem Boden und das Schicksal der Kolonialsoldaten. Diese in Deutschland bisher „vergessenen“ Geschichten machen die globale Dimension der nationalsozialistischen Aggression deutlich.

Bilnachweis (v. o. n. u.):

  • Memories of Landscape. On Traces of Violence in Nature. Documentation of the European Summer Academy for Young Professionals. 2026/3. Bundeszentrale für Politische Bildung / Stiftung Genshagen. https://www.stiftung-genshagen.de/publikationen/memories-of-landscape-on-traces-of-violence-in-nature/
  • Journal of Imperial and Commonwealth History. Volume 54, 2026, Issue 1: Business and Labour in German Colonialism. Routledge Taylor & Francis Group
  • Thaler, Engelbert (Hrsg.): Impulsgeber Fremdsprachen. Best Practice und aktuelle Tagungs-Diskussionen. Band 2, 2025. Cornelsen Pädagogik