11.12.2025

Veranstaltungsreihe zu Robert Desnos

Das Zentrum Erinnerungskultur widmete dem künstlerischen Œuvre des französischen Surrealisten Robert Desnos eine Veranstaltungsreihe. Zum Auftakt stellten in einem Werkstattgespräch Ulrike Becker, Journalistin und Historikerin, und Monika Preischl, Archive Researcher, am 8. Oktober 2025 die Ergebnisse eines Projektseminars vor.

Sie beleuchteten dabei vor allem den historischen Kontext des künstlerischen Schaffens von Robert Desnos in den Goldenen Zwanziger Jahren („les années folles“) in Paris, die von der Weltwirtschaftskrise und dem aufsteigenden Faschismus jäh beendet wurden. Der Surrealismus war von Anfang an eine politisch engagierte, international ausgerichtete Bewegung. Schon in den 1920er Jahren kritisierten Surrealisten die Kolonialpolitik Europas und kämpften ab den 1930er Jahren gegen den aufsteigenden Faschismus, wodurch sie selbst Verfolgung, Internierung, Flucht und Krieg erlebten.

Robert Desnos wurde im Februar 1944 als Angehöriger der französischen Résistance von der Gestapo in Paris verhaftet und über die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald nach Flossenbürg deportiert. Vom Hauptlager Flossenbürg wurde er ins Außenlager Flöha bei Chemnitz verlegt. Am 8. Juni 1945, einen Monat nach seiner Befreiung, stirbt Robert Desnos an den Folgen der Konzentrationslagerhaft und des Todesmarsches von Flöha nach Theresienstadt.

In seinem Heimatland Frankreich ist das facettenreiches Œuvre von Robert Desnos fester Bestandteil des Bildungskanons. In Deutschland hingegen ist sein künstlerische Schaffen weitgehend unbekannt. Die Veranstaltungsreihe „Robert Desnos – Surrealismus und Résistance“ hat eine Tür zum Werk des vielfältigen Künstlers Robert Desnos geöffnet. Höhepunkt war die Konzertlesung „Minuit à 14 heures“ („Mitternacht um 14 Uhr“) am 20. November 2025 im Audimax der Universität Regensburg.

Lyrische und musikalische Klangbilder aus der Zwischenkriegszeit in Paris standen im Mittelpunkt des besonderen Konzertabends. Klangbilder, die dem Publikum die Intensität, die Umbrüche, Spannungen und Erschütterungen der 1920er und 1930er Jahre näherbrachten. In fünf Themenkreisen wurden Aspekte beleuchtet die das Kunstschaffen der Zwischenkriegszeit inspirierten: „Paris – technischer Fortschritt, Urbanisierung“, „Évasion – Schwärmereien, Träume und Trance“, „AvantGarde – Phantasie, Sprachwitz, Klangbilder“, „Papiergeschosse – Kunst und Widerstand“, „Zeitgebundenheit und Vergänglichkeit – Die Schrecken des Krieges“.

Die Gedichte von Robert Desnos, teilweise erstmals auf Deutsch rezitiert, wurden von Ulrike Becker, Katharina Weikl und Raphael Schätzl mit großer Kunstfertigkeit dargeboten.  Musikalisch gestalteten den Abend auf höchstem Niveau Christine Lindermeier am Flügel, Yui Iwata-Skweres an der Violine und Tomasz Skweres am Cello. Sie interpretierten Werke von Maurice Ravel, Achille-Claude Debussy, Erik Satie und Olivier Messiaen.

Die Veranstaltungsreihe fand in Kooperation mit dem Institut für Romanistik und dem Leiter der klassischen Orchester der Universität Regensburg, Arn Goerke statt und wurde gefördert von der Universitätsstiftung Pro Arte.

Einen weiteren Artikel zur Konzertlesung gibt es hier:
Kunst zwischen den Weltkriegen (21.12.2025 | mittelbayerische.de)

Fotos: © Anna-Elena Schüler