DEBATTEN UND POSITIONEN ZUR ERINNERUNGSKULTUR

Erinnerungen der Landschaft – Erinnerungen an die Landschaft. Welche Spuren welcher Geschichte erhalten wir?

mit Prof. Dr. Ingrid Scheurmann (Honorarprofessorin für Denkmalpflege und angewandte Bauforschung an der TU Dortmund)

Zeit:

08.07.2026  
19:00 - 21:00 Uhr

Ort:

Großer Runtingersaal
Keplerstraße 1, 93047 Regensburg

Kategorie:

DEBATTEN UND POSITIONEN ZUR ERINNERUNGSKULTUR

Informationen zur Barrierefreiheit: Der Runtingersaal ist nur über Treppen erreichbar.

Das Nachdenken über Erinnerung in Geschichtswissenschaften, Politik und Kultureinrichtungen bezieht sich auch auf Landschaft. Dabei geht es meist um sogenannte Opfer- oder Täterorte, also um Schauplätze von Krieg und Verfolgung. Materielle Manifestationen von Geschichte hingegen, bei denen die Akteure nicht im Einzelnen zu identifizieren sind und die Landschaft selbst als Gedächtnis von Geschehenem hervortritt, sind in der Regel nicht Gegenstand des Erinnerungsdiskurses. Dabei vergisst die Landschaft bekanntlich nichts; sie speichert Spuren, Relikte und äußere Einflussnahmen über Jahrtausende, bewahrt die Spuren historischer Vulkanausbrüche ebenso auf wie den stratigrafischen Nachweis von Atomwaffentests und vermehrtem Plastikverbrauch. Landschaften sind alles andere als unberührt – sie sind menschengemacht, Mittler zwischen Natur und Kultur, und als solche auch historische Zeugnisse.

Landschaften waren und sind aber stets auch ästhetische Gegenbilder zu einer als verlustreich und unbeständig empfundenen Gegenwart – malerische Sehnsuchtsorte aus baulichen, künstlerischen und natürlichen Elementen, die über die Künste, die Literatur, den Film oder in historischen Gärten tradiert und als Teile unseres Kulturerbes geschätzt und geschützt werden. Im Unterschied dazu sind Kriegs- oder Industrielandschaften und jüngst durch den Klimawandel versehrte Landschaften in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals marginalisiert. Dies obwohl immer stärker deutlich wird, dass Natur und Landschaft keine passiven Objekte menschlichen Handelns, sondern selbst agierende Subjekte sind, die unsere Lebensbedingungen verändern und neue Bilder von Landschaft schaffen. Der Vortrag widmet sich den kulturell tradierten Bildern von Landschaft, um darauf aufbauend ausgewählte Zeugnisse in der Landschaft, Spuren von Landschaftsveränderung und Devastierung zu untersuchen und die unterschiedlichen fachlichen Umgangsweisen mit solchen Relikten und Formationen (Geologie, Archäologie, Klimawissenschaften etc.) zu erörtern. Die Überlegungen münden in die Fragen, welche Erinnerungen der Landschaft als schützenswert gelten und vor welchen Erinnerungen der Mensch sich hingegen schützen sollte.

Die Veranstaltung in der Reihe „Debatten und Positionen zur Erinnerungskultur“ findet in Kooperation mit dem Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg statt.


Debatten & Positionen zur Erinnerungskultur

Die Vortragsreihe soll allen Interessierten verschiedene Perspektiven der Erinnerungskultur zugänglich machen und eine Möglichkeit zum Austausch bieten.