Die Natur des Böhmischen und Oberpfälzer Waldes lädt geradezu ein, eine ausgiebige Fahrrad- oder Wandertour zu unternehmen. Dabei die deutsch-tschechische Grenze zu überqueren, stellt für Outdoor-Begeisterte heute kein Problem mehr dar. Neben sonnigen Wiesen und schönen Wegen, findet man in den Wäldern auch Hinweise auf die Geschichte der Sudetendeutschen, welche infolge des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat zurücklassen mussten und unter Zwang aus ihren Dörfern umgesiedelt wurden. Vormals reges Dorfleben verschwand und viele Häuser blieben unbewohnt zurück. Während einige zerstört wurden, wurden andere dem natürlichen Verfall überlassen. Wo sich heute der Naturraum die Gemäuer allmählich zurückholt, zeugen Tafeln und Freilegungen von ehemaligen Siedlungen und vor allem vom einstigen Alltagsleben hier. Mit der Aussiedlung der Bevölkerung wurde nicht nur die Bausubstanz dem Verfall preisgegeben, sondern auch die Geschichten, die sich in den Dörfern zugetragen haben mochten, gerieten zunehmend in Vergessenheit. Kirchenglocken auf den Kirchtürmen oder Gespräche auf den Dorfplätzen verstummten.
Unser Audiowalk soll zumindest einem der vielen verlassenen Dörfer, dem ehemaligen Plöß (tsch. Pleš), ein wenig Leben einhauchen und unerzählte Geschichten (untold stories) ausgraben. Audiodateien in Verbindung mit einer Wanderkarte, sollen Hörer*innen an verschiedenen Stationen an diesem Ort in eine „Memoryscape“ eintauchen lassen. Nutzer*innen sollen so die Möglichkeit bekommen, Geschichte genau an jenem Ort zu erleben, an dem sie ursprünglich entstanden ist. Mithilfe von Toneffekten und historischem Quellenmaterial versuchten wir Aspekte des dörflichen Lebens „hör- und erlebbar“ zu machen, und zumindest einzelne Personen aus dem verschwundenen Dorf vor den Vorhang zu holen. Der Audiowalk bietet dabei eine niedrigschwellige und auch für Familien geeignete Möglichkeit, einen Ausflug oder eine Wanderung mit geschichtlichem Interesse zu verknüpfen und sich auf die Spuren des Dorfes Plöß und seiner Bewohner*innen zu begeben.

Dieses Bild wurde im Juni 2025 aufgenommen. Wo früher eine Schule und die Kirche das Dorfbild prägten und für eine breite Geräuschkulisse sorgten, können heute Besucher*innen der einzeln verstreuten Ferienhäuser die Ruhe genießen.




