Das Werkstattgespräch „Die Regensburger Kunst- und Kulturverwaltung im Nationalsozialismus“ am 11. Juni zog zahlreiche Interessierte aus der Stadt an die Universität Regensburg.

Eileen Weiß (M.A., Projektmitarbeiterin ZE), die derzeit zu diesem Thema promoviert, gab zunächst einen Überblick über das Forschungsvorhaben, das im Auftrag der Stadt Regensburg durchgeführt wird. Dabei erläuterte sie das Zusammenspiel zwischen dem städtischen Forschungsauftrag und ihrer eigenen wissenschaftlichen Arbeit. Zudem gewährte sie Einblicke in die bislang erschlossenen Quellenbestände.
Von besonderer Bedeutung sind dabei die Bestände des Stadtarchivs Regensburg, in denen sich zahlreiche bislang wenig ausgewertete Unterlagen der städtischen Kultureinrichtungen und der Kulturverwaltung aus der Zeit des Nationalsozialismus befinden. Darüber hinaus sollen in den kommenden Monaten weitere Quellen in den Staatsarchiven, insbesondere in Bamberg und Amberg, erschlossen werden. Dort sind unter anderem Akten der Gauleitung „Bayerische Ostmark“ zu erwarten, die jedoch zum Kriegsende größtenteils vernichtet wurden. Weitere wichtige Quellenbestände umfassen Unterlagen der NSDAP-Kreisleitung Regensburg sowie Entnazifizierungsakten. Die bisher ausgewerteten Akten zur Geschäftsverteilung innerhalb der Stadtverwaltung vermitteln bislang nur ein fragmentarisches Bild der Verwaltungsstrukturen. Zugleich bleiben Zufallsfunde möglich, da immer wieder neue Aktenbestände erschlossen und dem Archiv übergeben werden.
Anschließend präsentierte Eileen Weiß erste Forschungsergebnisse. Deutlich wurde dabei, dass es in Regensburg kein einheitliches Kulturreferat gab, wie man es heute kennt. Stattdessen waren die einzelnen städtischen Kultureinrichtungen unterschiedlichen Referaten und Zuständigkeiten zugeordnet. So unterstand das Theater dem Referat IV: Verwaltungsreferat der städtischen Versorgungsbetriebe und Theaterreferat, während mit dem Referat 5b für Museums-, Archiv- und Bibliothekswesen eine eigene Verwaltungseinheit für die städtischen Sammlungen und Archive existierte. Ein Schwerpunkt der bisherigen Forschungen liegt auf dem Historischen Museum Regensburg. Derzeit werden insbesondere die Inventarakten ausgewertet. Diese geben Aufschluss über die Sammlungspolitik sowie über das von Walter Boll entwickelte Konzept einer Dauerausstellung, die ursprünglich bereits während der NS-Zeit geplant wurde, letztlich jedoch erst 1949 eröffnet werden konnte.
Auffällig ist, dass die Vorstellung eines Kulturraums „Bayerische Ostmark“ im Regensburger Kulturleben allgegenwärtig war und offenbar eine zentrale Rolle in den kulturpolitischen Planungen spielte.
Die abschließende Fragerunde brachte weitere Aspekte in die Diskussion ein und eröffnete zugleich Einblicke in die gegenwärtige städtische Debatte über die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Foto: © Moritz Richter




