12.05.2026

Workshop „Versehrte Landschaften“

Gedächtnisorte als Naturräume, Naturräume als Gedächtnisorte

Gedächtnisorte als Naturräume und Naturräume als Gedächtnisräume begreifen und dabei Memory Studies, angewandte Erinnerungsarbeit sowie Environmental Humanities überkreuzen – dieses Ziel verfolgte der interdisziplinäre Workshop „Versehrte Landschaften“. Dr. Bianca Hoenig (Regensburg) und Dr. Timo Saalmann (Flossenbürg) luden in ihrer Einführung dazu ein, das analytische Potential der medizinischen Metapher auszuloten sowie gemeinsam den Blick auf vielfältige Geschichten kollektiver Gewalt und Phänomene gestörter Natur zu richten.

Den Begriff der Landschaft definierte Bianca Hoenig als gerichtete Interpretation von Natur, wobei Nutzungsweisen und Zuschreibungen nicht von der Natur selbst, sondern von Menschen vorgenommen würden und es dabei verschiedene Vorstellungen und somit auch Konfliktpotential gebe. An Erinnerungsorten habe Natur das Potential, das „Archiv“ zu erweitern und als zusätzliche Brille des Verstehens und Gestaltens zu dienen, wobei zugleich mit Eigenlogiken der Natur zu rechnen sei.

Anlass für die Tagung gaben aktuelle Projekte der beiden veranstaltenden Einrichtungen: die Erschließung des ehemaligen Steinbruchs des Konzentrationslagers Flossenbürg als neues Areal für die Gedenkstättenarbeit, das zugleich fortlaufend von natürlichen Prozessen überformt wird, sowie die Beschäftigung mit dem sogenannten „Grünen Band“ unter anderem in einem digitalen Ausstellungsprojekt zur bayerisch-böhmischen Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert. Bereits in der Einführung weiteten Beispiele die Perspektive auf Bergbaufolgelandschaften oder von Naturkatastrophen betroffene Orte und spannten so die große thematische, räumliche und zeitliche Vielfalt der in der Folge diskutierten „versehrten Landschaften“ auf.

Dieser Text von Felix Bruckner wurde zuerst auf H-Soz-Kult veröffentlicht.