21.12.2022

Die Verdrängten

Ein Gespräch über die Geschichte des Umgangs mit den NS-Krankenmorden
Evangelisches Bildungswerk, Regensburg © Dionys Asenkerschbaumer

Am 29.11.2022 fand die vierte und letzte Podiumsdiskussion im Rahmen des Buchprojekts „Den NS-Krankenmord erinnern“ des Zentrum Erinnerungskultur statt. In den Räumen des Evangelischen Bildungswerks diskutierten nach einführenden Worten von Dr. Carsten Lenk (Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerks Regensburg) und Prof. Dr. Jörg Skriebeleit (Direktor des Zentrums Erinnerungskultur) drei Expert*innen über den Umgang mit den NS-Krankenmorden: Margret Hamm, ehemalige Geschäftsführerin des Bundes der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilisierten, Prof. Dr. Michael von Cranach, Psychiater und von 1980 bis 2006 leitender ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, sowie Dr. Ulrich Baumann, Leiter des T4-Denkmals in Berlin. Die Moderation hatte abermals Gregor Hoppe von Bayern 2 inne. Zwei Gebärdendolmetscherinnen übersetzten die Diskussion.

Prof. Dr. Michael von Cranach, Dr. Ulrich Baumann und Margret Hamm sowie Gregor Hoppe (Moderation) (sitzend von links), Gebärdendolmetscherinnen (stehend) © Dionys Asenkerschbaumer

Im Gespräch wurden unter anderem Erfahrungen aus der Arbeit mit Angehörigen von „Euthanasie“-Opfern ausgetauscht und unterschiedliche Haltungen zum Datenschutz und zur Namensnennung diskutiert. Ein weiteres Thema war die gesellschaftliche Entwicklung im Umgang mit psychischen Krankheiten. Im Anschluss konnte das interessierte Publikum wieder Fragen an die Diskussionsteilnehmer stellen, auch aus dem virtuellen Raum heraus, da die gesamte Veranstaltung live über Zoom übertragen wurde.

„Das ist diese Generation der jetzt 70- bis 90-Jährigen, […] für die das jetzt als Kinder der Täter und Täterinnen zum Teil ja auch eine Befreiung ist, sich damit auseinander zu setzen. Das finde ich ganz interessant, dass das sowohl für die Kinder der Opfer wie auch für die der Täter gilt.“

Dr. Ulrich Baumann

„Wir dürfen diese Stigmatisierung nicht einfach fortsetzen. Wir müssen radikal damit aufhören. Wolfgang Benz hat bei dieser Tagung in München gesagt: „Wenn wir ihre Namen jetzt verschweigen, dann töten wir sie ein zweites Mal.“

Prof. Dr. Michael von Cranach

„Es heißt ja oft: die vergessenen Opfer. Die waren nicht vergessen, die sind ganz bewusst ausgegrenzt worden.“

Margret Hamm

Presseecho zur Podiumsdiskussion in Regensburg:

Weitere Podiumsdiskussionen in der Reihe:

Den NS-Krankenmord erinnern

Im Rahmen des Publikationsprojekts „Den NS-Krankenmord erinnern“ veranstaltet das Zentrum Erinnerungskultur mehrere interdisziplinäre Podiumsdiskussionen zu Geschichte und Gegenwart der Erinnerung an den NS-Krankenmord.