Bayerische Ostmark

Themenschwerpunkt

„Bayerische Ostmark“ war von 1933 bis 1942 die Bezeichnung für einen NS-Gau, der ursprünglich Teil der Parteigliederung der NSDAP war, sich jedoch zunehmend zu einer politischen und administrativen Einheit entwickelte. Er umfasste die heutigen Regierungsbezirke Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern sowie ab 1938 auch Teile des annektierten „Sudetenlands“. Seine Hauptstadt war Bayreuth.

Der Gau „Bayerische Ostmark“ ist ein Beispiel für die nationalsozialistische Grenzlandideologie – vergleichbar unter anderem mit der „Westmark“ an der Grenze zu Frankreich oder der „Grenzmark Posen-Westpreußen“. Der mittelalterliche Begriff der „Mark“ bezeichnete ursprünglich ein Grenzland mit verstärkter militärischer Präsenz zur Sicherung des Reichs. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Tschechoslowakei wurde der Begriff für das östliche Bayern erneut politisch genutzt und schließlich durch die NS-Propaganda rassistisch aufgeladen: Das territorial, politisch und wirtschaftlich als peripher geltende Gebiet sollte fest an den deutschen „Lebensraum“ angebunden werden. Am 19. Januar 1933 verfügte Adolf Hitler, dass die „Bayerische Ostmark“ als „Bollwerk gegen die Slawengefahr“ fungieren sollte.

Aus der wirtschaftlichen Schwäche der Region leitete sich einerseits eine romantisierende Vorstellung von Ursprünglichkeit ab, andererseits die Forderung nach gezielter Förderung und „Selbsthilfe“. In diesem Zusammenhang wurde der Gau durch infrastrukturelle Maßnahmen erschlossen, etwa durch den Bau der Ostmarkstraße von Passau nach Hof, die zugleich militärstrategischen Zwecken diente. Der Gauverlag Bayerische Ostmark übernahm im Zuge der Gleichschaltung einen Großteil der regionalen Presse. Und auch der Konsum sogenannter „Ostmarkprodukte“ oder Reisen in die Region wurden propagandistisch als Unterstützung der angeblich „bedrohten“ Grenzregion inszeniert.

1942 erfolgte die Umbenennung in „Gau Bayreuth“. Hintergrund war, dass das Gebiet infolge der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik nicht länger als Grenzregion galt, sondern inzwischen in die Mitte Herrschaftsgebiets gerückt war und inzwischen auch zuvor tschechoslowakische Gebiete umfasste.

Geschichte und Nachwirkungen des NS-Gaus stehen im Fokus mehrerer am Zentrum Erinnerungskultur laufender Forschungs- und Vermittlungsprojekte:

  • Im Projekt zur „Regensburger Stadtverwaltung in der NS-Zeit“ wird untersucht, welche Bedeutung der Ideologie der „Ostmark“ für die politische Praxis und Selbstwahrnehmung der Stadt zukam. Eine besondere Rolle spielt dies im aktuell laufenden Teilprojekt „Städtische Kulturverwaltung und Kulturpolitik“. Dabei werden sowohl künstlerische Inhalte im Sinne der Konstruktion eines spezifischen „Kulturraums“ als auch die finanzielle Förderung des Kultursektors durch Grenzlandförderprogramme berücksichtigt.
  • Der Status als „gauwichtiges Festspiel“ ist zentral für die Untersuchung der „Landshuter Hochzeit 1920–1960“. Er zeigt, dass die ideologische Raumkonstruktion nicht nur Infrastruktur und Wirtschaft beeinflusste, sondern auch im Kulturbereich wirksam wurde – etwa durch die gezielte Inszenierung regionaler Traditionen im Sinne nationalsozialistischer Kulturpolitik und Identitätsstiftung.
  • Als ideologische Aufladung der ostbayerischen Grenzregion ist das nationalsozialistische Narrativ des Kulturraums „Bayerische Ostmark“ Gegenstand des Projekts „Grenze neu gedacht | Hranice jinak“. Das Projekt wird an der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in Zusammenarbeit mit dem ZE durchgeführt und macht die wiederholten rebrandings der bayerisch-böhmischen Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert in einer digitalen Ausstellung zum Thema.

Eine 2022 erstellte Vorstudie zum Themenschwerpunkt „Bayerische Ostmark“ wurde durch zusätzliche einmalige Mittel des Bayerischen Landtags (sog. Fraktionsinitiative) finanziert.

Bildnachweis:
1) © Hist. Lexikon Bayern: Die bayerische Ostmark ruft. Illustrierter Führer durch die Reisegebiete der bayerischen Ostmark, Bayreuth 1935, Deckblatt.
2) © Hist. Lexikon Bayern: Karte der Bayerischen Ostmark, 1934, aus: Kurt Trampler, Bayerische Ostmark. Aufbau eines deutschen Grenzlandes, München 1934, Anhang)


08.10.2025

Die Regensburger Stadtverwaltung in der NS-Zeit

Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt widmet sich der umfassenden historischen Aufarbeitung der Regensburger Stadtverwaltung in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945). Ziel ist es,…

mehr dazu
25.08.2025

Inszenierung, Schnappschuss, Dokumentation. Fotografien aus dem Lagerkomplex Flossenbürg

Publikation

Offizielle Fotoarbeiten oder private Schnappschüsse: Fotografie war im KZ Flossenbürg alltäglich. Bisher meist unveröffentlichte Fotos geben erstmals Einblick in die…

mehr dazu
28.11.2024

Die Landshuter Hochzeit (1920–1960)

Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt widmet sich der Geschichte der Landshuter Hochzeit in der Zeitspanne von 1920 bis 1960 und versteht das historische…

mehr dazu